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          IGSS

Institut für Gemeinwesen-Struktur –Sozialanalyse

Landstr. Gürtel 9

1030 Wien

 

An die

Wiener Linien

 

Sehr geehrte Direktion !

Sie haben die Unfreundlichkeit begangen, meine Zuschrift bezüglich „Fahrkartenentwerter" nicht zu beantworten. Natürlich gilt auch für Sie die übliche „Unschuldsvermutung", denn möglicherweise durcheilt meine Zuschrift (zu finden unter www.haraldpicker.com in der Spalte „ÜBERLEGUNGEN") noch die diversen Abteilungen und Arbeitskreise Ihres Unternehmens.

Nun aber :

Wie ich Zeitungsmeldungen entnehme, beabsichtigen Sie, den Abfahrtsspruch der U-Bahnen , der bisher „Zug fährt ab" lautete, zu ersetzen.

Da dieser Abfahrtsspruch durch den jeweiligen U-Bahn-Fahrer ohne Tonbandunterstützung ausgesprochen wurde, ergaben sich zahlreiche kreative Abwandlungen, die sich teilweise als „Krxxx" oder als „Szepferda" oder als Rülpslaut vernehmen ließen, was die Internationalität der Wiener U- Bahn auszudrücken vermochte, da keine der üblichen Sprachen des Globus bevorzugt wurde und der Fahrgast in jeweils der eigenen Muttersprache assoziieren konnte, was damit ausgedrückt werden sollte.

Nunmehr wollen Sie den Spruch durch „Bitte zurückbleiben" ersetzen – und vielleicht sogar mittels Tonband sprachlich auf die deutsche Sprache einschränken, was natürlich einen Verlust unserer U- Bahn-Sprachkultur bedeuten würde.

Darüber hinaus aber haben Sie schon wieder – wie bei den „Entwertern" eine subtile Gefahrenquelle für die psychosoziale Entwicklung der Bevölkerung vor. Es ist nicht unerheblich, den Fahrgästen das „Zurückbleiben" anzuraten, und dies tausendemale pro Tag, ohne zugleich dieses „Zurückbleiben" auf das zu späte Betreten des Zuges vor der Abfahrt verbal einzuschränken.

Unsere Gesellschaft braucht keine „Zurückgebliebenen" – obwohl gegen diesen bestehenden Bevölkerungsanteil keineswegs sozialrassistische Verunglimpfungen ausgesprochen werden sollen – es muß hier auf die Unschuldvermutung gegenüber den Mitarbeitern unseres Instituts hingewiesen werden – wir brauchen dringend und in aller political correctness ausgesprochen viel „Fortschrittlichkeit" in unserer Gesellschaft.

Wir ersuchen, dies ebenfalls in Ihren Gremien durchzuarbeiten und Arbeitsegebnisse hiezu vorzulegen.

Mit dem Ausdrucke vorzüglichster Hochachtung

Harald Picker, Direktor

                   
                               
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